Krimidinner: Schatten über Landsitz Hagenberg

Als Gastgeber lud ich kürzlich mal wieder zu einem Krimidinner Spiel zu mir nach Hause ein. Bei diesem Essen spielten meine Gäste und ich „Schatten über Landsitz Hagenberg“ von Culinario Mortale. Es war mein erstes Spiel von diesem Hersteller.

Das Spiel

Ich als Gastgeber wäre fast gestorben. Vergiftet von einem meiner Gäste. Als Familienoberhaupt und Firmenpatriarch Anton Hagenberg wollte ich am Vortag meinen 70. Geburtstag feiern. Doch er endete für mich im Krankenhaus in der Notaufnahme. Da es meine Art ist die Dinge selbst zu regeln, habe ich meine Familie und Freunde erneut an meinen Tisch gebeten. Ich werde meinen Angreifer aufdecken und es wird nicht schön werden für ihn (oder für sie).

Das war das Szenario des gemeinsamen Abends zu Hause. Meine 5 Mitspieler und ich bekleideten jeweils eine Rolle in der Spielrunde. Das Spiel ist für 6 bis 8 Personen konzipiert. 2 optionale Rollen (Haushälterin und Gärtner) hatten wir nicht besetzt, was dem Spiel aber kaum merklich fehlte.
Das Spiel ist unterteilt in 3 Runden zwischen denen wir jeweils einen Gang unseres Menüs genossen haben. Jeder Spieler verfügt über ein eigenes Spielheft mit Informationen für die jeweiligen Runden. Diese Informationen sind die Grundlage für die Diskussionen der einzelnen Spielabschnitte. Man erfährt Fakten, Beobachtungen und Hintergrundinformationen zur Vorgeschichte von sich selbst und anderer beteiligter Charaktere. Die entsprechenden Seiten im Spielheft sind zu Beginn nicht durchblätterbar. Sie dürfen am Spielabend erst nach Beendigung der vorangegangenen Runde geöffnet werden.
Ziel des Spiels ist es den Täter zu finden, der Anton Hagenberg vergiftet hat. Der Täter selbst hat als Aufgabe von sich abzulenken und dafür zu sorgen, dass ein anderer zum Hauptverdächtigen wird. Mit den Informationen im Spielheft bringt man das Gespräch über die Ereignisse des Tatabends in Gang und diskutiert den Ablauf. Dabei kommen so manche unangenehme Dinge ans Tageslicht, die fast jedem Teilnehmer ein schwaches oder starkes Motiv bescheren und das Überführen des Täters nicht gerade einfach machen.

Aufmachung

Das Design des Spiels an sich (Schachtel, Anleitung, Spielhefte, …) hat seinen ganz eigenen Stil, der mir sehr gut gefällt. Es gibt schicke Illustrationen und eine Leitfarbe (blau) neben schwarz, die für die Akzente sorgt. Bei den Unterlagen wird – ebenfalls eine schöne Abwechslung – nicht auf das oft verwendete glänzende Bilderdruckpapier gesetzt, sondern ein haptischeres Naturpapier.

Die Verarbeitung ist sehr einfallsreich und hochwertig. Anstatt Auflösung oder Zusatzrunden einfach in einen Umschlag zu verpacken, um sie vor verfrühtem Lesen zu schützen, gibt es dafür ein gesondertes Ereignisheft, das erst nach dem sukzessiven Auftrennen mehrerer Perforationslinien lesbar wird. Ebenso verhält es sich in den 8 Heften für die Spieler. Die jeweils nächste Runde ist noch verschlossen und wird erst am Tisch von jedem geöffnet. Dank der guten Perforation ist dies auch problemlos ohne Schere oder Messer möglich.

In der Schachtel befinden sich neben dem schon angesprochenen Ereignisheft und den Spielheften außerdem noch eine Anleitung, Tischkärtchen für die Sitzordnung und ein individueller Support Code, der es erlaubt vergessene oder verlorengegangene Spielmaterialien herunterzuladen und selbst auszudrucken. Diesen netten Zusatz sollte man nicht unterschätzen. Bei zwei vorigen Krimidinnern hätte ich einen solchen Code gerne gehabt. Beim einen Mal verhinderte leider eine Krankheit die Teilnahme von zwei entfernt wohnenden Freunden und beim anderen Mal hatte ein Teilnehmer sein Spielheft unauffindbar verlegt. Das hatte zur Folge, dass Spielmaterialien eingescannt, per E-Mail verschickt und ausgedruckt werden mussten während es beim zweiten Mal sogar bedeutete, dass wir ein Dinner ohne Krimi hatten. Meiner Erfahrung nach ist dieser Support Code, der zweimal verwendet werden kann, eine klasse Sache.

Etwas schade fand ich, dass es in diesem Spiel keine Informationen für mögliche Verkleidungen der Spieler gibt. Da alle Teilnehmer nicht ihr erstes Krimidinner spielten, herrschte im Vorfeld etwas Ratlosigkeit, da keine Vorgaben zu Äußerlichkeiten in der Rolle enthalten waren. Da das Setting jedoch nicht besonders außergewöhnlich war, entstand dadurch kein großes Problem. Verkleidungen geben einem solchen Spieleabend noch einmal etwas Besonderes und ich hätte mir gewünscht ein paar Angaben zur Kleidung, Schmuck oder Vorlieben der Personen im Spielheft zu haben.

Mein Spielergebnis

Nach knapp 4 Stunden Spiel- und Essenszeit war mein gescheiterter Mörder entlarvt. Auch der Tathergang und das Motiv kamen ans Licht. Premiere bei diesem Krimidinner! Allerdings glaube ich nicht, dass das Spiel besonders leicht ist und deshalb einfacher zu lösen. Vielmehr wird es die Kombination aus geübten Spielern, die nicht nur ihre eigenen Informationen loswerden wollen und es dabei verpassen länger an anderer Stelle nachzufragen, und eines nicht zu wirr konstruierten Spiels sein. Mit „nur“ 3 Spielrunden und 6-8 Teilnehmern ist der Handlungskreis kleiner und die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren nicht so extrem verworren, wie schon erlebt. Die letzte Runde führt ganz klar näher an den Täter heran, als dass haufenweise neue Baustellen aufgemacht werden, wobei am Ende niemand mehr richtig durchblickt. Prima erdacht und konzipiert!

Fazit

Eine gute Geschichte verpackt in toller Aufmachung und einwandfrei funktionierendem Spielablauf! Was Culinario Mortale hier abgeliefert hat ist absolut empfehlenswert. Auch dass man gleich zum Spiel schon eine Backup-Möglichkeit für den Notfall erhält, ist vorbildlich. Die fehlende Hilfeleistung zu Verkleidungen der Spieler fällt dabei kaum ins Gewicht. Wer sich ohnehin nicht gern verkleidet, kommt ohne solche Angaben auch nicht unter Druck, etwas tun zu müssen.

Derzeit gibt es zwei Spiele von Culinario Mortale. Ein drittes soll zu Weihnachten 2014 folgen. Neben „Schatten über Landsitz Hagenberg“ ist derzeit noch „Tödlicher Ruhm“ erhältlich.

 

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